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Mutter trinkt exessiv - was soll/kann ich tun?

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16.01.2018, 04:51 Uhr
Liebes Forum,
ich habe mich hier angemeldet, weil ich dringend Hilfe brauche. Meine Mutter trinkt seit 2 Jahren regelmässig und bis zum Suff - das ist im Vergleich zu anderen, was ich hier im Forum gelesen habe, eine kurze Zeit, aber es belastet mich trotzdem sehr.
Alkohol gehört in unserer Familie zur sozialen Interaktion, es wurde an Familienzusammenkünften und Festen oft getrunken, auch mal etwas zu viel, aber es ist nie ausgeartet. Ich kenne ausser meiner Mama auch niemanden, der ein Problem damit hat.
Meine Mama hat schon immer viel getrunken und das Glas Prosecco zum kochen und die Flasche Wein zum essen (geteilt mit ihrem Partner), gehörte einfach zum Lebensstil.
Doch seit sie vor 2 Jahren überraschend ihren Job verloren hat (und es sind auch viele Altlasten vorhanden; cholerischer Ehemann, schlimme Scheidung,...), und nun ist es leider eine ganze Flasche Prosecco und dazu noch ein bis zwei Flaschen Wein geworden - jeden Abend! - abgesehen davon dass sie den Schnaps dann nach dem Essen oft aus dem Weinglas trinkt ... ich erkenne sie dann nicht wieder. Sie lallt, wankt, fällt regelmässig hin, und wenn ich ihr sage wie schlimm ich ihr Verhalten finde, wird sie richtig fies - ihr kennt das ja wohl ...
Es hat schon einige Vorfälle gegeben, in denen sie fast die Treppe runter gefallen wäre, oder betrunken Auto gefahren ist (ich habe versucht, ihr die Schlüssel wegzunehmen, aber ich habe es nicht geschafft weil sie sich sehr gewehrt hat). Oft stolpert sie, und da sie oft im Garten trinkt (auch im Winter), weil sie gerne dazu noch raucht, schläft sie manchmal bei Minusgraden draussen ein. Sie ist auch oft kaum ansprechbar, lallt so dass man kein Wort versteht, kann keinen Schritt alleine tun,... es ist so schrecklich.

Das geht nun - wie schon erwähnt - 2 Jahre und ich kümmere mich fast jeden Abend um sie (manchmal bin ich bei meinem Freund). Ich bringe sie ins Bett, passe auf, dass ihr nichts passiert und putze hinter ihr her, wenn ihr mal wieder das Glas aus der Hand gefallen ist.
Ich habe sie schon mehrfach angefleht, mit dem Trinken aufzuhören - doch sie giesst sich dann vor meinen Augen das Glas voll ...
Nach Weihnachten ist es dann ausgeartet.
Als meine Grosseltern bei uns waren, hat sie sich gut gehalten, aber kaum waren sie weg, hat sie sich so zugesoffen dass sie sich mitten in der Nacht übergeben musste und sogar in die Hose geschi**en hat ... es war so schrecklich! Ich habe ihr gedroht, dass wir geschiedene Leute sind, sollte sie sich noch ein Glas eingiessen - daraufhin lachte sie, und hat sich noch ein Glas eingegossen.
Am nächsten Morgen hatte ich meine Tasche gepackt und wollte gehen - doch sie hat mich angefleht und sich entschuldigt und ich bin schwach geworden.

Gestern hat sich die Situation wiederholt, und nun sitze ich hier und überlege, was ich tun soll.
Soll ich tatsächlich gehen, oder soll ich bleiben und weiter machen?
Verschlimmert es sich nicht auch, wenn ich einfach gehe?
Ich glaube, ich habe mit meiner Fürsorge daheim einen gemütlichen Kokon geschaffen, in dem sie ihre Sucht ohne Konsequenzen ausleben kann. Ich wollte ihr nach ihrer Kündigung soviel Geborgenheit und Sicherheit wie möglich geben, ihr zeigen dass sie nicht alleine ist - weil ich dachte, so könnte sie es schaffen. Doch nun glaube ich, dass das ein Fehler war? Denn es wird immer schlimmer, statt besser!

Ich bin 26, lebe noch aufgrund meines Studiums zuhause. Ich muss dazu sagen, dass ich vor 2 Jahren zeitgleich zu der Kündigung meiner Mutter auch meinen Studiengang nicht beenden konnte weil ich leider zu schlecht war. Das hat mich damals sehr hart getroffen, weil es mein Traumstudium (Rechtswissenschaften) war, ich schon fast fertig war und ich eigentlich sehr gekämpft hatte. Seitdem geht es bei mir auch nicht mehr wirklich vorwärts - was auch daran liegt, dass ich fast jeden Abend zuhause bin um auf meine Mama aufzupassen. Letztes Semester war es schon so schlimm, dass ich fast jeden Tag Vorlesungen geschwänzt habe, um daheim zu sein, um aufzupassen dass sie nicht schon am Nachmittag trinkt. Es kam nämlich leider vor, dass ich Nachmittags von der Uni kam und sie schon betrunken war.
Dass ich zuhause nicht dazu komme zu lernen, muss ich wohl kaum betonen, dass könnt ihr euch ja sicher denken, denn ihr kennt ja das Klima, das in so einer Situation zuhause entsteht (Streit, Angespanntheit, Ablenkung,...)

Dazu leben in unserem Haushalt noch meine beeinträchtigte, jüngere Schwester (und ein Hund), die von meiner Mutter abhängig sind. Die kann ich ja auch schlecht im Stich lassen ...
Aber ich habe selber genug Probleme! Ich hatte früher eine Essstörung und leichte Depressionen, die sind nun wieder aufgetaucht, und ich kämpfe mit aller Macht dagegen an, aber es ist sehr schwer.
Dazu kommt noch, dass ich nicht mehr gut schlafen kann, weil ich immer unterbewusst achtsam bin, falls meine Mama wieder besoffen durchs Haus torkelt. Ihr lest ja, dass ich diesen Beitrag um 4 Uhr morgens schreibe ...
Ich habe Angst, mein jetziges Studium wieder in den Sand zu setzen, weil ich dauernd müde und angespannt bin und mich nicht konzentrieren kann. Zudem arbeite ich noch, weil ich mir das Studium selbst finanziere...

Ihr seht also, ich bin in einer völlig hin- und hergerissenen Situation. Einerseits brauche ich Abstand, andererseits fühle ich mich verantwortlich für meine Mutter und Schwester.
Ich bin ganz alleine mit dem Problem; mein Vater ist vor 15 Jahren an Krebs gestorben, meine Grosseltern wohnen 6 Autostunden von uns entfernt, und meinen Freund halte ich da raus weil ich nicht will dass er den Respekt vor meiner Mutter verliert (was leider schon fast der Fall ist - das macht mich so traurig).
Was soll oder besser kann ich tun?
Soll ich gehen (wie ich es angedroht habe), oder soll ich bleiben? Oder soll ich für eine kurze Zeit gehen, und schauen was passiert?
Ich habe Angst, dass die Situation noch mehr ausartet, wenn sie merkt dass ich nur leere Drohungen von mir gebe *sad* aber gleichzeitig habe ich auch Angst, dass es erst recht ausartet, wenn ich sie im Stich lasse!

Ich bin völlig verzweifelt!!

Vielen Dank schonmal für euren Rat!!
Liebe Grüsse,
Eleina
16.01.2018, 11:49 Uhr
Liebe Eleina

Ihr Bericht, wie sehr der Alkoholismus der Mutter Ihr eigenes Leben belastet, ist erschütternd. Die Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung, die Sie beschreiben, sind in jeder Zeile spürbar. Sie fühlen sich verantwortlich für Ihre Mutter und die Schwester, gleichzeitig nehmen Sie ganz deutlich wahr, dass die unerträgliche Situation so nicht mehr länger aushaltbar ist und sich unbedingt etwas ändern muss.

Wie ich im Kommentar zu Ihrem anderen Posting geschrieben habe, sind Angehörige von Süchtigen mitbetroffen und leiden - wie Sie - zum Teil unsäglich unter den Folgen der Sucht. Ich ganz dringend, eines der erwähnten Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Die Belastung und Ihr Leiden sind enorm, Sie stellen bereits erste gesundheitliche Probleme fest. Noch funktionieren Sie, doch ich befürchte, dass Sie unter der ganzen Last zusammenbrechen könnten.

Eleina, die riesige Verantwortung, die auf Ihren Schultern lastet, ist viel zu schwer für einen Menschen allein und erdrückt Sie schier. Nicht nur für Ihre Mutter, sondern auch für Sie besteht akuter Handlungsbedarf - bitte warten Sie nicht länger, holen Sie sich Unterstützung, um gemeinsam mit einer Fachperson nach Lösungen zu suchen!

Alles Gute und viel Mut

Helen
17.01.2018, 10:07 Uhr
Liebe Helen,
danke für deine Antwort.
Ich habe mich schon im November dazu durchgerungen, zur psychologischen Beratung an meiner Uni zu gehen. Ich finde das aber eher aufreibend und stressig, danach fühle ich mich meist viel schlechter als vorher.
Ich denke, es ist dieses "Verräter"-Gefühl, das man hat, wenn man "schlecht" über einen Elternteil spricht. Das widerspricht ja allem, was man als Kind gelernt hat (Respekt, Achtung, Wertschätzung,...)
Ich empfinde das alles als sehr schwierig.
Meine Mutter weigert sich leider strikt, Hilfe anzunehmen. Sie hält nichts von Psychologen, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen *sad* Sie meint, wenn sie mal aufhört, dann aus eigener Kraft - aber die Kraft sehe ich ehrlich gesagt nicht in ihr. Wahrscheinlich ist sie einfach zu stolz!

Ich hoffe, falls mal jemand diesen Beitrag lesen sollte, der es auch mit einem Elternteil zu tun hat, der zu viel Alkohol konsumiert, mir antwortet, was sie getan haben. Ob sie ausgezogen sind, oder weiter "die Stellung gehalten haben".

Viele Dank im vorraus und nochmal danke an Helen!

Liebe Grüsse!
25.01.2018, 13:30 Uhr
Eleina schrieb:
Liebe Helen,
danke für deine Antwort.
Ich habe mich schon im November dazu durchgerungen, zur psychologischen Beratung an meiner Uni zu gehen. Ich finde das aber eher aufreibend und stressig, danach fühle ich mich meist viel schlechter als vorher.
Ich denke, es ist dieses "Verräter"-Gefühl, das man hat, wenn man "schlecht" über einen Elternteil spricht. Das widerspricht ja allem, was man als Kind gelernt hat (Respekt, Achtung, Wertschätzung,...)
Ich empfinde das alles als sehr schwierig.
Meine Mutter weigert sich leider strikt, Hilfe anzunehmen. Sie hält nichts von Psychologen, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen *sad* Sie meint, wenn sie mal aufhört, dann aus eigener Kraft - aber die Kraft sehe ich ehrlich gesagt nicht in ihr. Wahrscheinlich ist sie einfach zu stolz!

Ich hoffe, falls mal jemand diesen Beitrag lesen sollte, der es auch mit einem Elternteil zu tun hat, der zu viel Alkohol konsumiert, mir antwortet, was sie getan haben. Ob sie ausgezogen sind, oder weiter "die Stellung gehalten haben".

Viele Dank im vorraus und nochmal danke an Helen!

Liebe Grüsse!


Hi
ich kenne die Situation nicht aus eigener Erfahrung, - besonders die jüngere Schwester ist ja auch eine besondere Erschwernis der Situation. Dennoch möchte ich gerne den Rat geben zu gehen. Falls die Situation sich verschlechtert oder auch wenn sie schlecht bleibt, braucht es evtl. eine Gefährdungsmeldung bei der KESB. Die sind oft viel besser als ihr Ruf.
Wenn die psychologische Beratung keine Hilfe ist, dann dies vielleicht mal ansprechen, wenns dann nicht bessert, wechseln.
Die Situation ist wie bei einem Unfall auf der Autobahn: Die Helferin nützt niemandem mehr wenn sie selber überfahren wird.
das sind einfach meine Gedanken, die Mut machen sollen zu handeln.
schöne Grüsse
Riquet
26.01.2018, 16:47 Uhr
Guten Tag Riquet,

ich heisse Sie im Forum von SafeZone willkommen.
Schön, dass Eleina auch von einer userin eine Antwort bekommt.

freundliche Grüsse
Manuel
03.02.2018, 00:16 Uhr
Hi Riquet,
Danke für deine Antwort und deine Besorgnis!
Ich habe schreckliche Angst, dass sich meine Mutter etwas antut, wenn ich gehe.
Ach es ist einfach so eine beschissene Situation!

Danke auch an Manuel für die Reaktion!

Viel Kraft an alle, die gerade das Gleiche durchmachen!!
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