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Foren - Fragen von Angehörigen - Mein Freund, den ich seit ein paar Monaten kenne konsumiert seit mehreren Jahren regelmässig Kokain. Er sagt, er würde schon gern aufhören, habe aber so Angst vor dem Entzug. Ich verstehe überhaupt nicht, was er vom Koksen hat. Und ist der Entzug wirklich so schlimm, dass man Angst haben muss?

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Mein Freund, den ich seit ein paar Monaten kenne konsumiert seit mehreren Jahren regelmässig Kokain. Er sagt, er würde schon gern aufhören, habe aber so Angst vor dem Entzug. Ich verstehe überhaupt nicht, was er vom Koksen hat. Und ist der Entzug wirklich so schlimm, dass man Angst haben muss?

Frage gestellt von: SafeZone-User (w, 25)
07.03.2019, 22:10 Uhr

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07.03.2019, 22:14 Uhr
Kokain ist eine Droge, die im Gehirn direkt auf das Belohnungssystem einwirkt. Viele Konsumierende beschreiben den Rausch als überwältigend. Was geschieht dabei? Gefühle von Müdigkeit, Hunger und Durst werden unterdrückt. Es entstehen Euphorie und Eindrücke von erhöhter Leistungsfähigkeit, das Selbstvertrauen wird gesteigert. Der Abbau von Hemmungen und Ängsten sowie ein vermindertes Schmerzempfinden sind weitere Effekte beim Kokainkonsum.

Kokain wirkt allerdings nur ziemlich kurze Zeit. Auf das „High“ folgt nach wenigen Stunden bis Tagen unweigerlich ein Absturz, der „Crash“. In der Phase von nachlassender Wirkung zeigen sich teils starke depressive Verstimmungen, Niedergeschlagenheit, Energiemangel, Müdigkeit, Selbstzweifel und Schlafstörungen. Diese unangenehmen Symptome werden häufig durch einen nächsten Konsum abgemildert. So entsteht eine sogenannte Konsumspirale, welche zu psychischer Abhängigkeit führen kann. Die Gedanken drehen sich meist um die Droge, alles andere wird zweitrangig.

Der Kokainentzug respektive Konsumstopp läuft über drei Phasen. Er fängt mit der körperlichen Entgiftung an. Diese dauert individuell von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen dauert und ist häufig mit oben geschilderten Entzugssymptomen verbunden. Anschliessend an die Entgiftung folgt die Entzugsphase, die eine bis mehrere Wochen dauert. In dieser Zeit kann es immer wieder zu starkem Suchtdruck, dem so genannten Craving, kommen. Daneben tauchen oft Gefühle von Antriebslosigkeit, Mattigkeit, Selbstzweifeln und Depressivität auf.

Die abschliessende „Löschungsphase“ kann wiederkehrende Träume von Rauscherlebnissen und Drogenkonsum beinhalten. Das löst manchmal auch längere Zeit nach dem Konsumstopp ein Verlangen nach Kokain aus. Der Umgang mit lange nach der Entzugsphase auftretenden „Versuchungen“ gelingt besser, wenn die vorangehenden Phasen gut verlaufen sind. Verlockenden Konsumgelegenheiten zu widerstehen ist oft recht anstrengend. Eine überzeugte, starke innere Haltung mit der klaren Entscheidung, clean bleiben zu wollen, ist unabdingbar. Wenn sich jemand bloss wünscht oder hofft, „es“ werde nicht mehr passieren reicht das kaum für eine dauerhafte Kokainfreiheit.

Professionelle Unterstützung wäre sicher angebracht. Unter https://www.safezone.ch/suchtindex.html findet Ihr Freund Adressen von Suchtberatungsstellen in der Nähe, wenn er bereit ist, Hilfe anzunehmen. Eine andere Möglichkeit ist, sich bei unserer Onlineberatung https://beratung.safezone.ch/views/mailberatung/index.html zu melden. Vielleicht ist fällt es ihm leichter, sich als ersten Schritt anonym mit einer Fachperson über seine Ängste auszutauschen.
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